Ein Blick auf ihr Leben ist wie ein Blick in ein lebendiges Geschichtsbuch.

Elfriede Brüning hat als junge Frau Krieg, Hunger und Depression in kleinen Verhältnissen erlebt, sie hat sich früh den Kommunisten angeschlossen, war ab 1930 KPD-Mitglied und ab 1932 Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (zum Schluss war sie das letzte noch lebende Mitglied des Bundes). Der Vision, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, ist sie ihr Leben lang treu geblieben – auch in der DDR, als der reale Sozialismus sich von seinen eigenen Zielen längst getrennt hatte. Im heutigen Deutschland fühlte sie sich – nach eigenen Worten – „wie ein Waisenkind“ in diesem „ausufernden Kapitalismus“, den sie schon in ihrer Jugend bekämpft hatte.

Elfriede Brüning hat bereits als Kind die Liebe zum Schreiben entdeckt, das neben dem politischen Engagement ihr Leben bestimmte. Und es sind vor allem Frauenschicksale, die sie in den Mittelpunkt ihrer Bücher stellte, wie beispielsweise Regine Haberkorn (1955). Unter den Augen der Gestapo – sie war als Kommunistin zwei Jahre inhaftiert – verfasste sie auch unpolitische Romane (Junges Herz muss wandern, 1936, oder Und außerdem ist Sommer, 1934 ). Auch wenn die DDR ihr Land war, erntete sie Kritik, wenn sie über die Belastung werktätiger Mütter oder über katastrophale Zustände in Kinderheimen schrieb. Sie fühlte sich nicht nur dem Sozialismus, sondern auch der Realität verpflichtet.

Und außerdem war es mein Leben, die 1994 erschienene Autobiografie von Elfriede Brüning, erzählt von einer Frau, die noch im hohen Alter von der „Sehnsucht nach Utopia“ erfüllt war und an diesem Traum festhielt – mit Leidenschaft und Courage. Ein Jahrhundertleben!

Die GEDOK Berlin nimmt dankbar Abschied von einer unbeugsamen und bewundernswerten Frau.

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