„Early bird - und das, was die Spatzen von den Dächern pfeifen...“
so lauten Arbeitstitel und Slogan dieser Ausstellung

Erfahrungen existentieller Art und Weise aus dem letzten Jahr haben sich in bildkünstlerische Arbeiten und literarische Werkprozesse eingeschrieben und niedergeschlagen.

Elf Positionen aus der Bildenden Kunst zusammen mit zwei Positionen aus der Literatur in form einer zweistündigen Lesung werden hier in der GEDOK-Galerie Berlin präsentiert. Diese öffentliche Präsentation dokumentiert sowohl künstlerische Arbeitsprozesse in der persönlichen Situation der Krisenzeit, sowie getätigte Werk-Erfindungen als auch den Zusammenklang der einzelnen Werke untereinander in Korrespondenz und Spannungsverhältnis.

Die Künstlerin als Erfinderin, Einzelgängerin und soziales Wesen – wie praktiziere ich in Krisenzeiten Austausch mit Anderen?
Sind gemeinsame Werkprozesse und die daraus resultierenden Erfahrungen noch möglich, unter welchen Umständen und Bedingungen?
Individuelle Lebens- und Arbeitsweisen während der Corona-Pandemie bringen neue interessante Themen hervor, wie die Aufzeichnungen von Erfahrungen eines Aufenthaltes im Wald oder Beschäftigung mit Denkmalen aus soziologischer und feministischer Sicht.
Neue und ungewohnte Mittel und Methoden werden gelernt und angewendet wie Kombination von kaputten Gegenständen mit Naturmaterialien. Oder es wird zurück gegriffen auf etwas Vergessenes wie die analoge Collage oder Figuren aus Draht.
Diese Gruppenausstellung selbst ist ein Angebot zur Kommunikation. Im Koordinatensystem der räumlichen Bedingungen der GEDOK-Galerie finden die einzelnen Werke ihre Position und korrespondieren miteinander. Der geordnete selbständige Auf- und Abbau der ausgewählten eingereichten Bilder und Objekte bietet den Künstlerinnen Momente des gegenseitigen Austausches vor Ort.

Die Notwendigkeit, daß die Künstlerinnen jeweils diese ihre gemeinsame Ausstellung beaufsichtigen müssen, bietet weitere Fenster zur Kommunikation mit Besucherinnen und Besuchern, zwar durch Regeln eingeschränkt, aber im realen Raum.
Zitate aus den Statements der Künstlerinnen, die sich sowohl als einzelne, auch einsame Erfinderinnen verstehen als auch den persönlichen Austausch suchende Zeitgenossinnen:

„reich in unserer Eigentlichkeit und Wahrhaftigkeit....“ (Gwenllian Farah)

„Für uns Künstlerinnen , die wir viele Stunden allein bei der Arbeit verbringen ist diese Kontaktsperre sehr bedrückend….“ (Evelin Bauer)

„Obdachlose, Alte, von der Gesellschaft Isolierte – hier oftmals Frauen – sind besonders betroffen….“ (Frauke Beeck)

„Böse Ironie der Ereignisse: Während wir an unseren Objekten arbeiteten erreichten uns Nachrichten und Bilder von den fürchterlichen Überschwemmungen in Deutschland und den Waldbränden in Griechenland, der Türkei, Kroatien, Italien und Sizilien. Das Reparieren nimmt kein Ende mehr...“ (Gisela Weimann)

„Trotzdem wurde ein Austausch gesucht, eine Form der Kommunikation und der Interaktion….“ (Gabriele Nocker)

„Damit denke ich, dass meine Mission und mein Zweck des Malens, nämlich - durch meine Malerei mit dem Publikum zu kommunizieren -, erfüllt ist und unabhängig von der äußeren Situation arbeite ich weiter…“ (Hyune-He Fischer)

„ich hab als Dichterin in dieser Zeit besondere Gedichte und Geschichten geschrieben, die an das grundsätzlich Existenzielle gehen….“ (Jenny Schon)


„...Vertrautes wieder an die Oberfläche geholt, ein sich spüren und endlich wieder versinken in Arbeit….“ (Katrin Salentin)

„Die letzten zwei Jahre haben mich immer wieder mit mir selbst konfrontiert, mir das gezeigt oder auch mich erinnert, an das was das Leben nicht lebenswert macht…“ (M.L. Buchmann)

„...als Sinnbild für das sich neu entwickelnde teils bizarre “geschützte“ angsterfüllte Miteinander der Menschen...“ (Ute Vauk-Ogawa)

„Die Einschränkungen, Verordnungen der Regierung in der Corona Kriese haben viele Lücken in der Gesellschaft hinterlassen….“ (Friederike Krusche)