Die Ausstellung „‚Nicht ins Namenlose versinken‘ – ver_antworten“ nimmt Ida Dehmels Appell zum Anlass, um über Formen des Vergessens und Erinnerns sowie Möglichkeiten der Arretierung im Kontext von Fotografie nachzudenken. Der Titelzusatz des Wortes bzw. der Wörter „verantworten“ und „antworten“ ist ein doppelzüngiger Vorgriff auf das, was die Besucher*innen erwartet: Die Fotoarbeiten der zwölf teilnehmenden Künstlerinnen reflektieren, variieren oder verweigern sich nicht nur einem Vergessen, die Arbeiten geben auch polyperspektivische Eindrücke, wie ein Ver_Antworten aussehen kann.

So verweist zum Beispiel Gertraude Pohls Inszenierung auf Aktion, Paola Telescas Fotografie auf das Sprechen selbst oder Barbara Noculaks Arbeit auf eine Person, ohne diese jedoch noch im Bild zu zeigen.

Das Thema der Arretierung ist mediengeschichtlich ein fotografisches und entwickelt sich im Gefüge von Bewegung und Stillstand: Dieser Anordnung folgend zeigt die Ausstellung Marion L. Buchmanns stillgestellte Videobilder zum Tanz zusammen mit einer Videoarbeit von Chus López Vidal, in der sie tanzt. Bewegung einerseits als Gehen und Flanieren verstanden, andererseits als vestimentäre weibliche Bewegungsfreiheit wird in den Fotografien von Karin Dammers und Heike F. Bartsch anhand von Kleiderpuppen, Schaufenstern und Spiegelungen thematisiert. Renate Schweizer und Sophie Christine Bloess nehmen in ihren Arbeiten spielerisch und medienreflexiv Bezug sowohl auf das Künstler*innen-Selbstporträt als auch auf zeitgenössische Selfie-Praktiken. Während Bloess sich auf der letzten Fotografie ihrer dreier Serie buchstäblich wegblitzt, montiert Burghild Eichheim das Ausstellungsmotto mit kleinen runden Spiegeln und Florence Henris mittlerweile ikonischem Selbstporträt zusammen, auf dem wir nur noch die Spiegelung der Künstlerin sehen, ohne jegliche Referenzfigur. Maiko Dates Tanzperformance, die während der Finissage stattfinden wird, poetisiert und verbindet die physische Spur im Sand mit dem fotografischen Index.

Die Einladungskarte zeigt eine Fotografie mit dem Titel „Verantwortung“ von Jeanne Fredac, die einen öffentlichen Raum mit einer aufgespannten weißen Leinwand präsentiert und somit stellvertretend für alle Positionen der Ausstellung an die Materialität von (fotografischen) Bildern und das Rahmen des Rahmens – sei dieser künstlerisch, medial, gesellschaftlich etc. – erinnert. Im Artist Talk am 30. November hat das Publikum Gelegenheit, in den Dialog mit einigen Künstlerinnen und der Ausstellung als Ganzem zu treten und aufgeworfene Fragen zu diskutieren.

Die zweite kuratierte GEDOK-Gruppenausstellung findet anlässlich des 150. Geburtstags der GEDOK-Gründerin Ida Dehmel statt und ist sowohl Teil der „Impulse – 60 Jahre GEDOK Berlin. Für die Zukunft von Künstlerinnen“ sowie des „Europäischen Monats für Fotografie“. Für das kuratorische Konzept ist Dr. Anja Herrmann verantwortlich, Kunstwissenschaftlerin und Redakteurin bei FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur.

Um die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, sind zwölf Personen im Galerieraum erlaubt. Besucher*innen werden gebeten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.

 

Vernissage mit einer Begrüßung durch die Kuratorin Dr. Anja Herrmann am 9. Oktober um 19 Uhr

Lesung von und mit Jutta Rosenkranz am 11. November um 19 Uhr

Artist Talk am 30. Oktober um 19:00 Uhr

Finissage mit einer Tanzperformance „Hier war ich, hier bin ich“ von Maiko Date um 16:30 Uhr

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